Vereinsgeschichte

der Turngemeinde Landshut e.V.

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Turngemeinde Landshut von 1861 e.V.
Sandnerstraße 7
84034 Landshut
Telefon: 0871/62079
Telefax: 0871/640324
Email: info@turngemeinde-landshut.de

Vereinsgeschichte

Die Turngemeinde feierte 2011 ihr 150-jähriges Vereinsjubiläum mit vielen Veranstaltungen rund um die Geschichte der TGL. Eine Jubiläumsausstellung im Rathaus und auch ein Jubiläumsbuch ließen die Vereinsgeschichte Revue passieren: ein Stück Landshuter Sportgeschichte.  Heute hat die TGL rund 6.300 Mitglieder und ein reichhaltiges Sportangebot von rund 25 Abteilungen. Hier ein kleiner Streifzug:

1861 bis 1900: Die turnerischen Anfänge in Landshut


Als am 15. August 1861 das erste Turnfest in Landshut stattfand, ahnte damals noch niemand, dass dies auch der Start für eine lange Sportvereinsgeschichte werden würde: Bereits sechs Tage später, am 21. August 1861, gründete sich mit 28 Gründungsmitgliedern der Turn-Verein (TV) Landshut im Geisenhauserbräu in der Altstadt 194. Er war der Vorläuferverein der Turngemeinde Landshut. Von 1864 bis 1876 fand der Turnbetrieb in der städtischen Turnhalle an der Fischergasse statt. 1882 gründete sich in Landshut der zweite Vorläufer-Verein, der Männer-Turnverein (MTV) Landshut.

Fünf Männer des Turnvereins Landshut posieren 1890 im Vereinsvorstand mit einem Tisch im Zentrum.

Bereits in den ersten Jahren wurden zahlreiche Akzente gesetzt: 1877 fand das erste niederbayerische Gauturnfest in Landshut statt mit rund 400 Turnern. Ein Jahr später war der große Festsaal im Bernlochner Ort eines großen Festballs: Es wurden turnerische Vorführungen gezeigt wie Trapez- und Reckübungen bzw. Barrenpyramiden. Zum 100. Geburtstag von Turnvater Jahn wurde 1878 auch ein großer Festzug vom Regierungsplatz zum Sommerturnplatz im Garten des Gasthauses „Neue Welt“ durchgeführt.

1901 bis 1950: Aus zwei wird eins – die Turngemeinde Landshut

1901 startet mit einem Höhepunkt im Landshuter Turnerleben, dem XI. bayerischen Turnfest mit über 200 Turnvereinen und 12 000 Turnern auf der Grieserwiese. In den beiden Turnvereinen entwickelten sich auch Fußball (heute u.a. bei der Spielvereinigung Landshut) und – damals auch üblich – Faustball-Riegen. Den nächsten großen Schritt gab es am 25. März 1919: TV und MTV vereinigten sich zur Turngemeinde Landshut. 1. Vorsitzender der neuen Turngemeinde war Wilhelm Wengenroth.

Eine Gruppe von Athleten der Turngemeinde Landshut formt eine beeindruckende menschliche Pyramide im Freien.

Die Mitgliederzahl von TGL und Spielvereinigung, damals noch eine eigenständige Abteilung der TGL, liegt bei insgesamt 650. Mehrere Vereine gehen aus der Turngemeinde hervor – neben der „Spiele“ auch Vereine fürs Schwimmen und Eishockey. 1921 hat die Turngemeinde bereits 1200 Mitglieder, neue Pläne werden nötig. 1926 gibt es unter TGL-Vorsitzendem, Rechtsrat Dominikus Costa, Pläne für einen Turnhallenneubau an der Wittstraße, die1928 eröffnet wird.

Außer den jeweiligen Inhalten der vorhandenen TGL-Chroniken, die anlässlich der Vereinsjubiläen der TGL erstellt wurden und auf dieser Vereinsgeschichte-Seite als PDF-Dokumente der Öffentlichkeit auch zur Verfügung gestellt werden, liegen leider im Archiv der Turngemeinde keinerlei Dokumente oder Schriften aus der Zeit beider Weltkrieg und des Nationalsozialismus vor. Dies wurde auch anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der TGL im Jahr 2011 noch einmal geprüft. Über die Gründe der fehlenden Unterlagen kann man nur spekulieren (Zerstörung von Unterlagen noch während dieser Kriegszeiten, Reduzierung von Material bei Umzug der TGL in den 1980er Jahren von der Wittstraße ins Sportzentrum West in die Sandnerstraße o.ä.?). Damit bleiben leider auch viele berechtigte Fragen aus der Zeit des Nationalsozialismus offen. Ein Beispiel für diese höchstbedauerlichen Schicksale, die ungerecht behandelt worden sind, ist Adolf Hirsch. Mit dessen Urenkeltochter Miriam Landor hatte die Turngemeinde Kontakt.


In einem Schreiben an Miriam Landor vom Januar 2022 (hier auch veröffentlicht am Ende dieser Seite) hat Harald Kienlein, 1. Vorsitzender der Turngemeinde Landshut, die Haltung und das Bedauern des Vereins schriftlich zum Ausdruck gebracht: „Ich für meine Person bedauere außerordentlich und von tiefstem Herzen, was für furchtbare und menschenverachtende Dinge in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland geschehen sind, und ich möchte allen Betroffenen mein herzlichstes Beileid aussprechen, auch im Namen des heutigen Vorstands und aller Mitglieder der Turngemeinde Landshut.“

Adolf Hirsch, geboren im Jahr 1868, wurde am 1. Juni 1942 aus Landshut deportiert und am 22. September 1943 in Theresienstadt ermordet. Er muss ein angesehenes Mitglied der Turngemeinde Landshut gewesen sein, da ihm im Februar 1919 auf einem Ehrenabend für Weltkriegsteilnehmer der TGL die Ehrenmitgliedschaft des Vereins verliehen wurde, worauf Harald Kienlein in seinem Schreiben an Miriam Landor auch eingeht: Hirsch war in den frühen 1920er Jahren auch der Initiator eines Plans des Besitzers des Kaufhauses Tietz, der für die Turngemeinde eine große Turnhalle bauen wollte.

Hierfür standen damals drei Vorschläge zur Verfügung. Der Vorschlag von Adolf Hirsch wurde aber zurückgezogen, weil einige Nationalsozialisten die Jugendfrage in die Debatte warfen. Der Kaufmann war aufgrund seiner jüdischen bzw. nicht-„arischen“ Abstammung von den nationalsozialistischen Vereinsmitgliedern attackiert worden. Adolf Hirsch ist ein Beispiel von höchst bedauernswerten Schicksalen, deren Ausschluss als jüdische Mitglieder aus der Turngemeinde anscheinend konsequent in den Folgejahren umgesetzt wurde.  Bzw. diese nicht-arischen Mitglieder wurden massiv dazu gedrängt „freiwillig“ aus dem Verein auszuscheiden.


(Anmerkung: Sämtliche oben und auch in dem Brief von Harald Kienlein genannten Informationen stammen aus wissenschaftlichen Arbeiten, die von der TGL in Auftrag gegeben wurden und auch in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt wurden, und teilweise aus der Chronik zum 100-jährigen Bestehen der Turngemeinde.)


Diese Vorgänge dürfen nicht in Vergessenheit geraten: Mitglieder der Vorstandschaft und des Vereins haben auch ab Anfang der 2000er Jahre an Veranstaltungen in der Stadt Landshut anlässlich der Verlegung von „Stolpersteinen“ teilgenommen, mit denen Opfern des Nationalsozialismus gedacht wird, die in Landshut lebten und wirkten. Einer dieser Stolpersteine erinnert auch an Adolf Hirsch.  

 

Nach Ende des zweiten Weltkriegs beginnt die Stunde Null: 1946 wird die TGL Mitglied beim Bayerischen Landessportverband (BLSV). 1950 ist die Turnhalle wenigstens für drei Wochentage für den Turnbetrieb wieder nutzbar.

Ab 2001 bis heute: TGL zwischen Tradition und Moderne – fit für die Zukunft

2005 tritt ein neues Vorstandsteam um die Hochschulprofessorin Gabriele Goderbauer-Marchner an. Die Vorstandschaft nimmt sich jedes Jahr ein besonderes Projekt vor, um den Verein fit für die Zukunft zu machen. Das Vereinslokal wird hergerichtet und der Fitnessbereich saniert. Die in die Jahre gekommene Bowlingbahn wird im Einvernehmen mit der Stadt geschlossen. Es entsteht ein neuer Mehrzweckraum für den Sportbetrieb.

Das Luftbild zeigt das Sportzentrum der Turngemeinde Landshut mit Fußballplatz und Laufbahn, ideal für Vereinsaktivitäten.

Eine weitere Baumaßnahme ist die Sanierung der 400-Meter-Laufbahn. 2011 feiert die Turngemeinde Landshut glanzvoll ihr 150-jähriges Jubiläum – mit einem Jubiläumsabend, einer Ausstellung im Rathaus und einem Jubiläumsbuch. Die alte Vereinsfahne von 1958 wird zum Jubiläum umfassend saniert. 2012 gründet sich bei der Turngemeinde eine Kindersportschule nach den Leitsätzen des BLSV.


Aufgrund der Hallenengpässe im Sportzentrum West beginnen im Verein Überlegungen und Planungen für den Neubau einer Geräteturnhalle. Als 2016 Gabriele Goderbauer-Marchner viel zu früh stirbt, übernehmen 2. Vorsitzender Harald Kienlein und 3. Vorsitzender Christian Temporale die Leitung des Vereins. Seit April 2017 leiten 1. Vorsitzender Harald Kienlein, 2. Vorsitzender Prof. Dr. Thomas Küffner und 3. Vorsitzender Christian Temporale die Geschicke des Vereins.

 

Die langen Planungen für den Bau einer Gerätturnhalle werden unter ihrer Leitung in die Tat umgesetzt. Die Halle mit stehenbleibenden Turngeräten, einzigartig in ganz Niederbayern, wird für die Turnabteilung – teilweise auch unter den schwierigen Bedingungen der Corona-Pandemie – gebaut. Die Halle wird schließlich am 10. Oktober 2020 eingeweiht. Gleichzeitig geht ein Erweiterungsbau für die Abteilung Schwerathletik, u.a. mit einer Gewichtheber-Plattform für Wettkämpfe und einem modernen Gewichtheberbereich in Betrieb. Damit nimmt nun der gesamte Bereich des Fitness- und Gerätetrainings rund 600 Quadratmeter ein: ein wunderbares Vereins-Eldorado für Fitnessfans.

Nach Mitgliederverlusten während der Corona-Zeit erholt sich der Verein dank vieler innovativer Ideen u.a. im Fitness- und Gesundheitssport-Bereich wieder und hat im Jahr 2026 einen Stand von rund 6.300 Mitglieder.

Turngemeinde Landshut e.V.

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